TV-Jobsuche – wenn die ganze Nation Bewerbern bei der Stellensuche zusieht
Keine Kommentare2. Oktober 2012 at 09:35Kategorie:Allgemein
In unsicheren Zeiten mit recht hoher Arbeitslosenquote wird das Thema „Job und Arbeitsleben“ häufig auf den Tisch. Es ist sogar so präsent, dass es von verschiedenen TV-Sendern aufgegriffen und zu einem Thema mit Unterhaltungswert umfunktioniert wird. TV-Soaps und Berichterstattungen in Boulevard-Magazinen, in denen Bewerber gesucht werden, Arbeitgebern mit versteckter Kamera auf den Zahn gefühlt wird oder gar die Arbeit der Angestellten durch den Chef inkognito überprüft wird, erfreuen sich größter Beliebtheit.
Besonders populär sind TV-Formate, in denen Ausbildungsplätze zu vergeben sind. Dem Zuschauer werden darin meist junge Menschen präsentiert, die keinen oder nur einen sehr schlechten Abschluss vorweisen können, die schon viele Absagen kassiert haben und hier nun, so will es das Drehbuch verstanden wissen, ihre letzte Chance auf eine Stelle als Azubi bekommen. Das Prinzip dieser Sendungen läuft immer gleich ab: Die Kandidaten müssen in einen harten Konkurrenzkampf untereinander treten, in dem der Zweck nahezu alle Mittel zu heiligen scheint.
Bewerbungen live im Fernsehen: Wie Arbeitsuchende instrumentalisiert werden
Angriffsfläche bieten diese Reality-Soaps genügend: Zum einen befinden sich unter den ausgesuchten Bewerbern immer auch Jugendliche, die beim Casting direkt danach ausgesucht worden zu sein scheinen, dass sie Eigenschaften besitzen, die man bei der richtigen Inszenierung gut der Lächerlichkeit preisgeben kann. Somit stehen Gewinner und Verlieren für den akribischen Beobachter oft schon zu Beginn der Sendung fest. Zum anderen bilden diese Formate immer nur die Berufsbilder im unteren Lohnsektor ab. Die Frauen bewerben sich auf Stellen wie Zimmermädchen oder Friseurin, die Männer auf Jobs im Kfz-Bereich oder auf dem Bau.
Anstatt der zuschauenden Zielgruppe durch seriöse Berichterstattung Tipps rund um die Jobsuche und Ausbildung zu geben, wird hier darauf abgezielt, absichtlich zu polarisieren, um Aufsehen zu erregen. Das Problem dabei: Es entsteht ein verzerrtes Bild der Realität. Menschen aus dem Publikum mit ähnlichem Hintergrund werden eingeschüchtert und die übrigen TV-Zuschauer werden dazu animiert, ihre Vorurteile zu festigen. Mangelnde Motivation, fehlende Sachkenntnis und Fehltritte bei klassischen Benimm-Regeln werden vom Sender zu diesem Zweck gekonnt in Szene gesetzt.
Realität ist jedoch, dass sich unzählige Kandidaten tagtäglich erfolgreich bewerben und auch trotz keiner Fehler beim Vorstellungsgespräch oder Unschönheiten im Lebenslauf eine Chance bekommen, sich in der Arbeitswelt zu beweisen. Ganz ohne die Hilfe des Privatfernsehens suchen sie auf Online-Stellenbörsen nach „Berlin Studentenjobs<“ oder „Ausbildungsplätze Münster“ und bewerben sich auf eine oder mehrere der angezeigten offenen Stellen.
Natürlich, das Fernsehen hat den Anspruch, zu unterhalten und Fun kann mit dem realitätsnahen Aufgreifen des täglichen Bewerbungsmarathons deutscher Durchschnittsbürger kaum vermittelt werden. Also greifen die dahinter stehenden Redaktionen zu drastischeren Mitteln, indem sie die Sonderfälle gekonnt präsentieren. Wohl dem, der diese TV-Formate kritisch zu rezipieren weiß…
Bild von: jscreationzs / FreeDigitalPhotos.net



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